Retroflexão, de Margriet de Moor (tradução: Lucas C. Botelho)

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“Rückenansicht”, von Margriet de Moor

 

Sie klopfte die Tür.

Der Mann sah sie ganz freundlich an. Er saβ hinter seinem Schreibtisch, stand aber auf, als sie auf der Schwelle stehenblieb.

Manchmal kann man etwas überschauen. Denn in den Paar Sekunden der Stille hatte sie den regenschweren Himmel wahrgenommen, der über der Schule hing, und die Fenster, die in den Klassenräumen geschlossen sein sollten und muβten, wo die jungen Leute über ihre zu weit ausgedehnte Kinderzeit gebeugt saβen, hatte sie die Wärme gerochen, die unter den Achseln und szwischen den strammen Schenkeln der immer noch wachsenden Körper eingeschlossen war, während die Aufzeichnungen über die Augen nach innen gingen und die grauen Zellen so geformt wurden, daβ die groβen Wahrheiten, die mathematischen und naturwissenschaftlichen Entdeckungen – die doch einst Anlaβ gegeben hatten zu tiefer, aufwühlender Erkenntnis -, die Meisterwerke wie „Hamlet“, wie Brederos „Posse von der Kuh“, wie „Der Teufel und Gott“ ohne Gefahr aufgenommen werden konnten, hatte sie den Mann sitzen sehen, der ihr Vater hätte sein können, der aber trotzdem Anstalten machte auf sie zuzukommen.

„Ich halte es nicht mehr aus“, sagte sie zu ihrem Erstaunen zum Rektor.

Er bat sie, Platz zu nehmen, nicht am Schreibtisch, sondern an einem Teakholztischchen nebem einem Gummibaum. Nach vorne gebeugt, die Arme auf seine Knie gestützt, sah er sie aufmerksam an.

Sie durfte die ganze Geschichte – sie war aus dem Klassenzimmer geschickt worden – erzählen. Alle diese Worte durfte sie einem Vorfall widmen, der in keiner Weise Einfluβ haben würde auf die Handlung dieses verhängnisvollen Drehbuchs, auf die hilflose Chronologie, die mit der Geburt beginnt.

Er entstand eine Stille, in der sie sich gegenseitig unverhohlen ansahen. Dann brachen sie Gelächter aus.

„Der Kerl ist ein Trottel“, sagte er.

Er gab ihr Feuer.

Sie lehnte sich zurück, und ihre Schultern, ihr Rücken, ihr Hals erinnerten sich an das ungewöhnliche Glücksgefühl von Jahren, als sie bei einer Verlosung ein Paar Schlittschuhe gewonnen hatte. Ich? Ja, du. Nein, das kann nicht sein. Jawohl, schau nur.

Sie besprachen die einzuschlagende Strategie, die auf Laβ nur! hinauslief. Einfach morgen ein halbes Stündchen früher in die Schule kommen und sich noch abfragen lassen. Etwas anderes konnten Sonja und der Rektor sich nicht andenken, weil sie mit ihren Gedanken nicht ganz bei der Sache waren.

Erst drei Monate später sollte die Nacht nach dem bewuβten Schulfest beginnen. Es war spät geworden. Ein paar Schüler waren dageblieben, um beim Aufräumen zu helfen. Sonja wurde von einem besorgten Schulleiter nach Hause gebracht. In ihrer Wohnung standen die Fenster offen. Es war Sommeranfang. Sie muβte dreimal hintereinander seinen Namen sagen, um sich daran zu gewöhnen. „Leo… Leo… Leo…“, flüsterte sie später, allein in ihrem Bett. Ihr Bauch glühte noch nach. Ja, endlich war es soweit: Sonja wurde von einem Mann geliebt. Am anderen Ende der Stadt waren Augen, hände, die sich an sie erinnerten. Es war ganz sicher, daβ da ein Mann im Dunkeln lag und an sie dachte. Beim Einschlafen kamen ihr die acht oder zehn Minuten in den Sinn, die sie an einem Frühjahrsmorgen im Rektorzimmer verbracht hatte. Sie begriff, daβ die eigentliche Verständigung damals stattgefunden hatte.

Der Mann mit seinem Männergeruch, seinem grauen Augen und seinem ebenfalls grauen Anzug, der zu seinem Amt, aber sicher nicht zu dem schnell aufkommenden, wahnsinnigen Verlangen gehörte, machte Vorschläge, um die traurige Vergangeheit der Schülerin aufzuarbeiten. Sie war einverstanden. Die Worte, die bei dieser Übereinkunft gebraucht wurden, waren nur indirekt zutreffend. An diesem regnerischen Morgen kam das Gespräch auf ihr Leben.

Obwohl der Ton gleich vertraulich war, fing es mit ein paar Nebensächlichkeiten an. Die Schulergebnisse waren doch gut, meinte der Rektor, nur noch ein paar Monate, sie würde es bestimmt schaffen, er, ja gewiβt, hatte gröβte Hochachtung davor, vor allem weil…

Er sagte: „Nun sind also deine beiden Eltern tot?“

Eigentlich klang es wunderbar, fand sie. Eltern, bide Eltern, na ja. Aber er meinteihre Mutter.

„Sie wissen davon?“ fragte sie vorsichtig.

Es schien, daβ ihr Tutor den Fall einmall mit ihm beschprochen hatte. Das hatte seine Phantasie gereizt. (Die tapfere Sonja, die nun allein in der Wohnung wohnte und so brav weiterlernte, ohne eine Tasse Tee um halb vier.)

Wie so oft nach der Schule war ihr schwindlich, so leicht im Kopf. Ihre Mutter saβ am Tisch, die Wangen in die Hände gestützt. Vor ihr stand die Teekanne auf dem Teelicht, aber als Sonja einschenken wollte, war nur heiβes Wasser drin.

„Wie dumm, habe ich doch den Teebeutel vergessen.“

Sie stand auf und begann in die Küche zu schwanken.

„Laβ nur“, sagte Sonja.

Während der Tee zog, schaute sie auf die Hände ihrer Mutter, wie sie Zwieback schmierte. Magere, zittrige Hände, die trotzig an den paar Bewegungen festhielten, die ihr über Jahre hinweg wichtig erschienen waren. Es muβ eine Zeit gegeben haben, dachte Sonja, da sie ziemlich glüklich gewesen war. Als ein Kind erziehen hauptsächlich bedeutete, weiche selbstgestrickte Kleidchen zurechtzulegen, den Mehlbrei zu kosten, den Ellbogen ins Kinderbadewasser zu halten, die Arme auszubreiten, bevor ein Kind wegkriechen und sich verstecken konnte, und mit den Fingern das lächerliche Geld abzuzählen, um ein Plastikbabyfläschchen mit rosa Bonbons zu kaufen… Hinter dem Dampf des Tees lächelte sie ihre Mutter an. Zu reden gab‘s nicht viel.

Was is denn passiert?“

Sie sah ihn benommen an. Eine Rauchfahne zog an ihrem Gesicht vorüber.

„Mit deiner Mutter“, erklärte er.

„Es war ein Verkehrsunfall“ sagte Sonja. „Sie ist von einem Bus angefahren worden.“

Sie wandte ihre Augen ab. Der Rektor war so feinfühlig, seine Hand auf sein eigenes Knie zu legen.

Sie war an ihren schlurfenden Schritt gewöhnt. Schon sehr lange lief sie so mühsam. Es kam durch das angegriffene Nervenzentrum. Das Korsakoff-Syndrom, Sonja hatte es im Nachschlagewerk nachgelesen. Manchmal fiel sie ohne jegliche Vorwarnung plötzlich vornüber. An diesem Nachmittag war Sonja später als gewöhnlich aus der Schule gekommen, weil sie sich von dem Chemielehrer, mit dem sie sich immer in den Haaren lag, noch prüfen lassen muβte. Es war Dezember. Schnee war gefallen. Eine Frau war beim Überqueren der Straβe ausgerutscht, gerade an der Ecke, als auch der Bus ankam. Was war in dieser Tasche gewesen? Sie wurde einen Tag danach ordentlich zu Hause abgeliefert. Es waren zwei Hamburger drin, eine Packung Schnellkochmakkaroni un Tompoes (Blätterteigstückchen mit Sahnefüllung) fürs Fernsehen, für Sonja und ihre Mutter. Die heimliche Flasche, noch halbvoll, fand sie am selben Abend. Sie stand beim Telefon, diskret hinter dem Vorhang versteckt. Denn in solchen Sachen war sie immer sehr raffiniert gewesen.

Das Telefon klingelte.

Der Rektor nahm ab.

„Ich komme vorbei“, sagte er. Seine Stimme klang schwer von Pflichtbewuβtsein.

Sie stand vor der Tür. Ganz kurz berührte seine Hand ihr Gesicht (Hals, Wange, Ohr, Haar).

„Denk daran“, sagte er, „diese Tür steht immer für dich offen.“

Am Nachmittag fühlte sie es aufkommen. Sie saβ auf der Vortreppe, und plöztlich wurden ihre hände kalt. Sie legte ihr Buch weg. Die gelben Rosen begannen einen Duft zu verbreiten, von dem einem übel wurde. Die Kastanien und der Rasen wurden dunkler, als schöbe sich eine Wolke langsam vor die Sonne, aber als sie nach oben schaute, schien die Luft blau. Blau, verlassen und totenstill. Es war die schwere Tagesstunde, in der die Vögel schweigen.

Sie begriff ganz gut, daβ sie vorsichtig sein muβte. Und vorsichtig bedeutete tapfer. Deshalb legte sie sich mitten auf dem Rasenplatz auf den Bauch. (Sie streckte ihre Beine in die Sonne, bedeckte aber ihren Kopf mit einem Sonnenhut, so daβ auch das aufgeschlagene Buch im Schatten lag.) In der nächsten Stunde las sie „Call it Sleep“ aus.

Als sie hochschaute, ragte das Haus vor ihr auf, als ob es von unter nach oben gedrückt worden wäre. Das Giebel leuchtete tiefrot. Es ging etwas Drohendes und Spöttisches davon aus, aber Sonja was vernünftig und ging einfach hinein. In der Kücke aβ sie Brot mit Käse, und um neun Uhr zog sie die Samtvorhänge im Schlafzimmer zu und ging ins Bett.

Sobald es dunkel war, begann die Angst. Die Angst des Auβenstehenden. Sie was eine Zuschauerin und war an der Wirklichkeit des Scharrens, Seufzens und Knarrens wenig beteiligt. Sie, als Bewohnerin einer sichtbaren Welt, hatte Angst vor dem Fühlen von Dingen, vor dem Abstaten mit Hilfe von Umrissen, Volumen und Substanzen. Die Eindringlichkeit, mit der ihr all diese Absurditäten bewuβst wurden, was konnte das anderes bedeuten, als daβ auch sie beobachtet wurde? So still, so atemlos sie auch blieb?

Sie lag auf die Rücken, die Augen nutzlos aufgerissen. Das Telefon? Sie würde nicth einmal gewagt haben anzurufen. Selbst wenn der Apparat neben ihren Bett gestanden hätte, würde sie es nicht gewagt haben, ihren Arm nach dem Hörer auszustrecken, geschweige denn menschlische Worte zu murmeln.

Denk daran, daβ du mich nicht einfach so anrufst. Und vor allem nie, niemals unter meiner Privatnummer.“

„Aber warum nicht?“ hatte sie gefragt. „Deine Frau weiβt doch Bescheid.“

Seine Frau. Sie hatte sie einmal auf dem Parkplatz an der Schule gesehen. Dunkles Haar bis über den schmalen Rücken, sie wartete, bis der Ehemann die Autotür geöffnet hatte.

„Sie würde die direkte Gegenüberstellung nicht ertragen können.“

Sonja wuβte, daβ er nicht gern über sie sprach. Aus irgendwelchen Gründen fand sie seine Besorgheit um diese Phantasiefrau rührend.

Während die Nacht vorrückte, gelang es ihr, sich in der ängstlich belauerten Dunkelheit – eine geordnete, starke Welt, kein Chaos – ab und zu das Bild eines Schlafzimmers in der Stadt vorzustellen. Straβenlicht fiel hinein. Im groβen Bett schlief ein Ehepaar. Sie, die Frau, hatte langes, schwarzes Haar, aber kein Gesicht. Den Mann hingegen kannte sie. Wenn er heute nacht zufällig aufwachte, würde er wissen, daβ sie sich hier befand.

 

 

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“Retroflexão”, traduzido por Lucas Cavalcanti Botelho

 

Ela bateu à porta.

O homem olhou para ela bastante simpático. Estava sentado atrás da mesa, mas levantou-se depois que ela apareceu no limiar.

Às vezes, pode-se entrever certas coisas. Em alguns segundos de silêncio, ela distinguiu o céu tempestuoso que encobria a escola, e também as janelas das salas de aula que precisavam e deveriam estar fechadas, onde adolescentes enterravam suas vastas infâncias e depois sentavam sobre elas, e então sentiu o cheiro aquecido, geralmente confinado debaixo das axilas ou por entre as pernas dos corpos que ainda não se desenvolveram totalmente, enquanto a recordação dirigia-se da superfície dos olhos adentro e o escritório cinza se dispunha de tal forma que as verdades incontestáveis, as descobertas matemáticas e físicas – que anteriormente deram origem a um conhecimento profundo e perturbador – as obras de grande envergadura, como “Hamlet“, como a “A Posse da Vaca” de Bredero, e “Deus e o Diabo”, poderiam ser ensinadas sem perturbações, e ela viu ali sentado o homem que poderia ter sido seu pai, mas que apesar disso fazia preparativos para recebê-la.

“Eu não aguento mais”, ela disse ao diretor, para sua própria surpresa.

Ele pediu que ela se sentasse, não à sua mesa, mas em uma mais baixa, feita de madeira, ao lado de uma muda de seringueira. Curvado à frente, com os braços apoiados em seu joelho, ele a observava com atenção.

Ela deveria contar a história inteira – tinha sido expulsa da sala de aula. Deveria dedicar todas aquelas palavras a um pequeno incidente que não teria influência alguma no desencadear desse roteiro desastroso, a cronologia inevitável que se inicia a partir do nascimento.

Ele conduziu um momento silencioso, no qual ambos se encararam abertamente. E depois começaram a rir.

“-Esse rapaz é um babaca”, disse ele.

Ele ofereceu-lhe um cigarro.

Ela se reclinou, e nesse momento seus ombros, suas espaldas, seu pescoço, afiguravam uma alegria incomum de anos anteriores, a mesma que ela sentiu no dia em que ganhou um par de patins de gelo num sorteio. Eu? Isso mesmo, você! Ah, não. Não pode ser… É verdade, olhe aqui.

Eles discutiram a estratégia a ser seguida, que consistia simplesmente em deixar as coisas como estavam. Ela chegaria à escola trinta minutos mais cedo na manhã seguinte, para ser interrogada. Sonja e o diretor não conseguiam pensar em nada além daquilo, pois não estavam completamente envolvidos em seus pensamentos.

Três meses depois houve a noite posterior a uma costumeira festa escolar. Estava ficando tarde. Um grupo de alunos tinha ficado para ajudar na arrumação. Sonja pegou carona de volta à casa com um tutor prestativo. As janelas do apartamento estavam abertas. Era o início do verão. Ela precisou repetir o nome dele consecutivamente, para se acostumar. “Leo… Leo… Leo”, suspirou em seguida, deitada sozinha na cama. Ainda sentia borboletas no estômago. Sim, finalmente acontecera: ela tinha o amor de um homem. Do outro lado da cidade existiam olhos e mãos que se lembravam dela. Certamente havia ali um homem deitado no escuro pensando nela. Ao adormecer, veio à mente os oito ou dez minutos que passara em uma manhã de primavera no escritório do diretor. Ela então percebeu que o verdadeiro entendimento viera à tona naquela ocasião.

Aquele homem, com seu cheiro masculino, seus olhos acinzentados e o terno igualmente cinza, que combinava bem com seu escritório mas não com o desejo insano e desesperado, propunha-se a reorientar o passado triste da aluna. Ela compreendeu com clareza. As palavras que acompanhavam aquele acordo só podiam ser captadas indiretamente. A entrevista da sua vida aconteceu naquela manhã chuvosa.

Muito embora o tom da conversa fosse confidencial, logo começaram as trivialidades. As experiências escolares eram ótimas, dizia o diretor, só mais alguns meses e ela iria concluí-las, e ele, como era de se esperar, tinha muita estima pela situação dela, especialmente porque…

Ele disse: “-Ambos os seus pais já estão mortos?”

Ela achou aquela frase muito impressionante. Sim, de fato, ambos os pais. Mas ele se referia à sua mãe.

“O Senhor ficou sabendo?”, ela perguntou de forma comedida.

Parecia que o professor dela havia comentado a respeito do caso. E aquilo aguçou a fantasia dele. (A Sonja, resiliente, morando sozinha no apartamento, disciplinar nos estudos, sem contar com o chá das três e meia da tarde).

Todo dia após a escola ela sentia sua cabeça anuviada e vertiginosa. Sua mãe sentava-se à mesa, com as bochechas apoiadas nas mãos. À sua frente, uma chaleira fervia no fogareiro, mas quando Sonja tentou se servir, havia apenas água quente.

“-Que idiota! Esqueci de botar a infusão.”

Ela se levantou e começou a circundar pela cozinha.

“-Pode deixar”, disse Sonja.

Enquanto o chá esquentava, ela reparou nas mãos engorduradas da mãe. Trêmulas e magras, suas mãos então muito às custas desempenhavam movimentos mínimos, que anos antes pareciam tão robustos. Houve um tempo em que ela deve ter sido extremamente feliz, pensou Sonja. Pois criar uma criança talvez implicasse tricotar macacões macios, provar o mingau de amido, medir a água do banho com o cotovelo e estender o braço para alcançar o bebê antes que ele saísse correndo e se escondesse, e contar com os dedos uns trocados ridículos a fim de comprar uma mamadeira de plástico com bombons rosa… Ela sorria para a mãe por trás do vapor do chá. Não havia muito a dizer.

O que aconteceu?”

Ela olhou para ele, desorientada. A fumaça do cigarro atravessava o seu rosto.

“Com a sua mãe”, ele esclareceu.

“Foi um acidente de trânsito”, disse Sonja, “ela foi atingida por um ônibus”

Ela desviou o olhar. O diretor foi muito compreensível ao apoiar suas mãos em seu próprio joelho.

Ela já tinha se acostumado àqueles passos trôpegos. Havia um tempo que ela caminhava muito atrapalhadamente. Isso acontecia devido a uma perturbação do sistema nervoso. Eram sintomas da Síndrome de Karsakoff, Sonja descobrira após ler uma lista de referências. Às vezes, sem aviso prévio, ela tropeçava e caía repentinamente. Naquela tarde, Sonja saiu da escola mais tarde do que de costume, pois o professor de química, com quem tinha constantes desentendimentos, aplicou uma prova. Foi em dezembro. A neve caíra. Uma mulher escorregou ao atravessar a rua, bem na esquina de um cruzamento, no momento em que o ônibus se adiantava. O que havia na sacola dela? Foi entregue em casa no dia seguinte, intocada. Dentro havia dois hambúrgueres, um pacote de macarrão instantâneo e amostras grátis de aperitivos (em massa folhada com recheio de creme) que Sonja e sua mãe comeriam ao assistir televisão. Na mesma noite ela também encontrou uma garrafa secreta, ainda cheia pela metade. Estava discretamente escondida atrás da cortina, ao lado do telefone. Pois ela fora sempre muito astuciosa nesse tipo de assuntos.

O telefone tocou.

O diretor atendeu.

“Estou a caminho”, ele disse. Sua voz estava carregada de conscienciosidade.

Ela ficou em frente a porta. Num breve ímpeto, as mãos dele resvalaram pelo seu rosto (e pelo pescoço, pelo queixo, pelas orelhas e o cabelo).

“Pense bem”, disse ele, “essa porta sempre vai estar aberta para você”.

Durante a tarde ela sentiu algo despertar. Estava sentada na escadaria da frente, suas mãos ficaram repentinamente frias. Ela largou o livro. As rosas amarelas começaram a exalar um odor que em seguida se tornou carregado. As castanheiras e a grama ficaram mais escuras, como se uma nuvem tivesse encoberto o sol vagarosamente, mas quando ela olhou em direção ao céu, o ar brilhava muito azul. Azul, abandonado e calmo como a morte. Era a hora inquietante em que os pássaros se calam.

Ela percebeu assertivamente que deveria ser cautelosa. E cautela significava ousadia. Dessa forma, debruçou-se sobre o gramado. (Estirou as pernas ao sol, porém protegia a cabeça com uma boina, de forma que também o livro aberto fora disposto sob a sombra.) Uma hora mais tarde ela terminaria de ler “Call it Sleep”.

Quando ela olhou para o alto, a casa à sua frente se destacava, como se tivesse sido impressa de baixo para cima. O frontispício abrilhantava um vermelho muito forte. Havia ali algo de estranho e amedrontador, mas Sonja era sensata, e decidiu entrar. Na cozinha, ela comeu pão com queijo, e às nove horas cerrou as pesadas cortinas do quarto e foi para cama.

Assim que o ambiente escureceu, veio o pavor. Pavor do mundo exterior. Ela era uma mera espectadora, que pouco poderia intervir na realidade das ranhuras, dos suspiros e das cicatrizes. Habitante de um mundo visível, ela teve medo do sentimento das coisas, da formatação de tudo o que está confinado em massa, volume e matéria. A brevidade com que se tornou consciente de todo aquele absurdo, significaria algo além do fato de que ela também era observada? Estaria ela petrificada e imóvel?

Estava deitada para cima, os olhos desnecessariamente abertos. O telefone? Ela não se atreveria de forma alguma a fazer aquela ligação. Nem mesmo se o aparelho estivesse ao lado da cama, ela não se atreveria a esticar o braço para alcançá-lo, muito menos para murmurar palavras mundanas.

“Veja bem, você não pode me ligar assim. Nunca, de forma alguma, principalmente no meu número pessoal”

“Mas por que não?” ela replicou. “Sua mulher já sabe de tudo.”

A sua mulher. Ela a tinha visto uma vez no estacionamento da escola. Cabelos escuros na altura das costas magras, esperava o momento em que o marido abrisse a porta do carro.

“Ela não vai aguentar uma confrontação direta.”

Sonja sabia que ele não gostava de falar sobre ela. De modo abstrato, considerou notável a solicitude dele em relação à esposa imaginária.

À medida que a noite avançava, em meio à escuridão opressiva e assustadora – um mundo escuro e muito organizado, de forma alguma caótico – ela vislumbrava ocasionalmente a imagem de um quarto no centro da cidade. A iluminação da rua invadia o dormitório. Numa cama larga dormia um casal. Ela, a mulher, tinha longos cabelos escuros, mas não tinha rosto. Ela conhecia o homem a seu lado. Se ele coincidentemente acordasse durante a noite, saberia que ela estava ali deitada.

Walter Benjamin sobre cartilhas infantis e a não-chegada do Messias

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Cartilhas de ABC há cem anos
Tradução: Tomaz Amorim Izabel

Nenhum palácio real ou casa de campo de um milionário conheceu um milésimo do amor adorável que foi dirigido às letras no decorrer da história cultural. Então, por mera alegria à beleza e para honrá-la. Mas também com intenção astuta. As letras são as colunas de um portão, em cima do qual bem poderia estar escrito o que Dante leu sobre os portões do inferno, e lá sua dura forma primordial não deveria espantar os muitos pequenos que todo ano precisam atravessar este portão. Cada uma dessas pilastras é então carregada de guirlandas e arabescos. Mas percebeu-se só muito mais tarde que não se tornava as coisas mais fáceis para a criança quando se esticava o espaçamento entre os tipos com imensas decorações, para representá-las de forma mais atrativa.
Além disso, as letras começaram logo cedo a construir uma corte de objetos ao redor de si. Os mais velhos entre nós ainda têm pendurado prontamente o chapéu no c, têm visto a marmota roer inofensivamente o m e têm visto o r como a parte mais espinhosa da rosa. Com a dedicação dinâmica a povos estrangeiros, crianças e desclassificados que ocorreu durante o Iluminismo europeu, com os raios do Humanismo, do qual o Classicismo é na verdade apenas o eclipse solar, caiu então de uma vez uma luz completamente diferente sobre os livros didáticos. Os pequenos objetos ilustrativos, que até então tinham ficado envergonhadamente jogados de lado diante da majestade da letra, ou tinham sido espremidos em caixinhas, justos como as janelinhas das fachadas burguesas do século XVIII, liberaram subitamente bordões revolucionários. Os açougueiros, aviadores, artilheiros, águias e avestruzes, os garotos, garçons, gatos, goleiros, guerrilheiros, gaviões, os veterinários, Venezuela, vigias reconheceram sua solidariedade. Eles convocavam grandes convenções, apareciam grandes destacamentos de todos os As, Bs, Cs, etc., e em seus encontros iam-se às multidões. Quando Rousseau diz que toda a soberania se origina do povo, então estes círculos se expressam alto e com convicção: “O espírito das letras se origina das coisas. Nosso ser-assim-e-não-algo-outro, nós impregnamos nessas letras. Nós não somos os seus vassalos, elas é que são apenas nossa vontade comum dita em voz alta”.

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Ideia para um mistério
Tradução: Tomaz Amorim Izabel

Representar a História como um processo em que o Humano, simultaneamente como defensor da Natureza muda, presta queixa sobre a Criação e a ausência do Messias prometido. O Tribunal, no entanto, decide ouvir testemunhas sobre o que está por vir. Aparecem: o poeta, que o sente; o artista plástico, que o vê; o músico, que o ouve; e o filósofo, que o sabe. Seus testemunhos, portanto, não convergem, embora eles todos testemunhem pela Sua vinda. O Tribunal não ousa admitir sua indecisão. Assim, não há fim para as novas queixas e, tampouco, para as novas testemunhas. Há tortura e martírio. Os bancos dos jurados estão ocupados pelos vivos que ouvem o promotor Humano e as testemunhas com a mesma desconfiança. Os lugares dos jurados vão sendo herdados por seus filhos. Finalmente, desperta neles um medo de serem expulsos dos seus bancos. Ao fim, todos os jurados fogem e ficam apenas o querelante e as testemunhas.

 

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ABC-BÜCHER VOR HUNDERT JAHREN!
Walter Benjamin

Kein Königspalast und kein Cottage eines Milliardärs hat ein Tausendstel der schmückenden Liebe erfahren, die im Laufe der Kulturgeschichte den Buchstaben zugewandt worden ist. Einmal aus Freude am Schönen und um sie zu ehren. Aber auch in listiger Absicht. Die Buchstaben sind ja die Säulen eines Tores, über dem ganz gut geschrieben stehen könnte, was Dante über den Pforten der Hölle las, und da sollte ihre rauhe Urgestalt die vielen Kleinen, die alljährlich durch dieses Tor müssen, nicht abschrecken. Jeden einzelnen dieser Pilaster behing man also mit Girlanden und Arabesken. Doch man kam erst sehr spät darauf, daß man dem Kinde die Sache nicht leichter machte, wenn man die Gerüste der Lettern mit maßlosen Zierformen überspannte, um sie anziehender zu gestalten.
Daneben begannen die Buchstaben schon früh einen Hof von Gegenständen um sich zu bilden. Die Älteren unter uns haben noch den Hut dienstfertig beim h hängen, die Maus harmlos am m knabbern sehen und das r als den dornigsten Teil der Rose kennen gelernt. Mit der bewegenden Hingabe an fremde Völker, an Kinder, an Deklassierte, die durch die europäische Aufklärung ging, mit dem Strahlen des Humanismus, von dem die Klassik eigentlich nur die Sonnenfinsternis ist, fiel dann mit einem Mal ganz anderes Licht in die Lesebücher. Die kleinen illustrierenden Gegenstände, die bis dahin verlegen um den herrschaftlichen Buchstaben herumgelungert hatten, oder gar in Kassetten, eng wie die Fensterchen in bürgerlichen Hausfassaden des 18. Jahrhunderts, gepreßt worden waren, gaben plötzlich revolutionäre Losungen aus. Die Ammen, Apotheker, Artilleristen, Adler und Affen, die Kinder, Kellner, Katzen, Kegeljungen, Köchinnen, Karpfen, die Uhrmacher, Ungarn, Ulanen erkannten ihre Solidarität. Sie beriefen große Konvente ein, Abordnungen aller A’s, B’s, C’s usw. erschienen, und es ging auf ihren Versammlungen tumultuarisch zu. Wenn Rousseau sagt, daß alle Souveränität vom Volk stammt, so bekunden diese Tafeln es laut und entschieden: »Der Geist der Buchstaben stammt aus den Sachen. Uns, unser So-und-Nichtanders-Sein, haben wir in diesen Buchstaben ausgeprägt. Nicht wir sind ihre Vasallen, sondern sie sind nur unser lautgewordener gemeinsamer Wille.«

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Idee eines Mysteriums
Walter Benjamin

Die Geschichte darzustellen als einen Prozeß, in welchem der Mensch zugleich als Sachwalter der stummen Natur Klage führt über die Schöpfung und das Ausbleiben des verheißenen Messias. Der Gerichtshof aber beschließt Zeugen, für das Zukünftige zu hören. Es erscheint der Dichter der es fühlt, der Bildner der er sieht, der Musiker der es hört und der Philosoph der es weiß. Ihre Zeugnisse stimmen daher nicht überein, wiewohl sie alle für sein Kommen zeugen. Der Gerichtshof wagt seine Unschlüssigkeit nicht einzugestehen. Daher nehmen die neuen Klagen kein Ende, ebensowenig die neuen Zeugen. Es gibt die Folter und das Martyrium. Die Geschwornenbänke sind besetzt von den Lebenden, die den Mensch-Ankläger wie die Zeugen mit gleichem Mißtrauen hören. Die Geschwornenplätze erben sich bei ihren Söhnen fort. Endlich erwacht eine Angst in ihnen, sie könnten von ihren Bänken vertrieben werden. Zuletzt flüchten alle Geschwornen, nur der Kläger und die Zeugen bleiben.

Obituário do Dr. Franz Kafka, por Milena Jesenská

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Milena Jesenská, no Národní Listy de Praga em 6 de Junho de 1924

Anteontem morreu no Sanatório de Kierling, nos arredores de Klosterneuburg em Viena, o Dr. Franz Kafka, um escritor alemão que viveu em Praga. Aqui poucos o conheciam porque ele era um solitário, uma pessoa que conhecia e se assustava com a vida. Ele esteve doente dos pulmões no último ano e, embora tenha tratado da doença, também a alimentou e incentivou conscientemente nos seus pensamentos. “Quando a alma e o coração não aguentam mais a carga, os pulmões pegam metade para si, para que o peso seja pelo menos dividido igualmente”, escreveu ele certa vez em uma carta, e assim foi também com a sua doença. Ela praticamente o dotou com uma delicadeza fantástica e uma sutileza espiritual terrivelmente inflexível. Humano, no entanto, ele descarregou sob os ombros de sua doença todo seu medo intelectual diante da vida. Ele era tímido, angustiado, sereno e bom, mas escreveu livros terríveis e dolorosos. Ele via o mundo cheio de demônios invisíveis que aniquilavam e despedaçavam as pessoas indefesas. Ele era perspicaz demais, sábio demais para poder viver e fraco demais para lutar com a fraqueza das pessoas nobres e belas que evitam a luta não por medo de desentendimentos, indelicadeza e mentira espiritual – embora saibam de antemão que são impotentes e que se submetem assim para expor o vencedor. Ele conhecia as pessoas como apenas um homem de grande sensibilidade nervosa podia conhecer, alguém que é solitário e que enxerga uma pessoa até no nível da profecia através de uma única pinta no rosto. Ele conhecia o mundo de uma maneira incomum e profunda, ele mesmo era um mundo incomum e profundo. Ele escrevia livros que fazem parte dos mais significativos da jovem literatura alemã. Neles está contida a luta da geração de hoje, ainda que sem palavras tendenciosas. Eles são tão verdadeiros, nus e dolorosos que funcionam realisticamente mesmo quando se expressam através de simbolismo. Eles estão cheios de zombaria seca e do assombro delicado de uma pessoa que tinha visto o mundo tão claramente que não o aguentou e precisou morrer, de uma pessoa que não queria retroceder e se salvar, como os outros em quaisquer erros intelectuais subconscientes, ainda que na melhor das intenções. Dr. Franz Kafka escreveu o fragmento “O foguista” (publicado em tcheco pela Červen de Neumann), o primeiro capítulo de um belo romance que ainda não foi publicado; “O Veredicto”, um conflito geracional; “A metamorfose”, o livro mais forte da moderna literatura alemã; “Na Colônia Penal”; “Um médico rural”; e os esboços de “Contemplação”. O último romance “Diante da lei” permanece em manuscrito, preparado já há anos para publicação. Ele pertence aos livros que após sua leitura deixam a impressão de um mundo completamente capturado, de forma que não se precisa inserir nem mais uma única palavra. Todos os seus livros descrevem o cinza dos desentendimentos secretos e da culpa involuntária entre as pessoas. Ele era uma pessoa e um artista de uma consciência tão fina que percebeu algo também lá, onde outros que não eram tão sensíveis se sentiam seguros.

* Milena Jesenská (1896-1944) foi uma jornalista, escritora, tradutora e militante que nasceu e passou a maior parte de sua vida em Praga. Traduziu parte da obra de Franz Kafka para o tcheco (que embora falasse tcheco fluentemente, escrevia em alemão) e teve com ele um curto relacionamento que rendeu à literatura alemã uma das suas mais belas e profundas correspondências, as célebres Cartas à Milena. Milena Jesenská fez parte de uma importante primavera feminista em Praga composta pelas alunas do Colégio Minerva. Adulta, foi perseguida pela família por casar com o escritor judeu Ernst Polak e por isso passou a viver em Viena. Ao retornar a Praga depois do divórcio, participou de coletivos feministas, socialistas e antifascistas. Teve uma filha, casou-se novamente, entrou e saiu do partido comunista, trabalhou como jornalista traduzindo (Rosa Luxemburgo, entre outros) e escrevendo artigos (agrupados na edição alemã em Alles ist Leben da editora Neue Kritik de Frankfurt em 1984). Com a ocupação nazista em 1939, perdeu o emprego e entrou na clandestinidade ajudando a organizar a fuga de refugiados judeus e não judeus da Tchecoslováquia, até ser ela mesma presa e enviada para o campo de concentração para mulheres de Ravensbrück onde morreu em 1944 com 47 anos. Margarete Buber-Neumann, que conheceu Jesenská no campo de concentração e teve com ela um relacionamento íntimo, sobreviveu e escreveu sobre ela uma bela biografia já traduzida para o português.

Tradução e nota: Tomaz Amorim Izabel

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Vorgestern starb im Sanatorium Kierling in der Nähe von Klosterneuburg bei Wien Dr. Franz Kafka, ein deutscher Schriftsteller, der in Prag lebte. Hier kannten ihn wenige, weil er ein Einzelgänger war, so ein wissender, vom Leben verschreckter Mensch; er war jahrelang lungenkrank, und obwohl er die Krankheit behandeln ließ, hat er sie doch wissentlich genährt und gedanklich gefördert. “Wenn die Seele und das Herz die Last nicht mehr ertragen, nimmt sie die Lunge zur Hälfte auf sich, damit das Gewicht wenigstens gleichmäßig verteilt ist”, schrieb er einmal in einem Brief, und so war auch seine Krankheit. Sie verlieh ihm eine geradezu wunderbare Zartheit und eine erschreckend kompromißlose geistige Subtilität; als Mensch lud er jedoch all seine intellektuelle Furcht vor dem Leben auf die Schultern seiner Krankheit. Er war scheu, ängstlich, sanft und gut, aber schrieb grausame und schmerzhafte Bücher. Die Welt sah er voller unsichtbarer Dämonen, die den ungeschützten Menschen vernichten und zerreißen. Er war zu hellsichtig, zu weise, um leben zu können, zu schwach, um mit der Schwäche der edlen, schönen Menschen zu kämpfen, die den Kampf nicht aus Furcht vor Mißverständnissen, Lieblosigkeiten und geistiger Lüge meiden, obwohl sie im voraus wissen, daß sie machtlos sind, und die so unterliegen, daß sie den Sieger bloßstellen. Er kannte die Menschen, wie sie nur ein Mann von großer nervlicher Empfindsamkeit zu kennen vermag, jemand, der einsam ist und einen Menschen sogar prophetisch an einem einzigen Aufflackern des Gesichts durchschaut. Er kannte die Welt auf ungewöhnliche und tiefe Weise, war selber eine ungewöhnliche und tiefe Welt. Er schrieb Bücher, die zum Bedeutendsten der jungen deutschen Literatur gehören; in ihnen ist der Kampf der heutigen Generation enthalten, jedoch ohne tendenziöse Worte. Sie sind so wahrhaft, nackt und schmerzlich, daß sie selbst dort, wo etwas symbolisch ausgedrückt wird, naturalistisch wirken. Sie sind voller trockenen Spotts und empfindsamen Erstaunens eines Menschen, der die Welt so klar gesehen hat, daß er das nicht ertrug und sterben mußte, denn er wollte nicht zurückweichen und sich wie andere in irgendwelche, wenn auch subjektiv ehrliche, unterbewußte intellektuelle Irrtümer retten. Dr. Franz Kafka schrieb das Fragment “Der Heizer” (es kam tschechisch in Neumanns Červen heraus), das erste Kapitel eines schönen Romans, der noch nicht veröffentlicht ist, “Das Urteil”, ein Generationenkonflikt, “Die Verwandlung”, das stärkste Buch der modernen deutsche Literatur, “In der Strafkolonie”, “Ein Landarzt” und die Skizzen “Betrachtung”. Der letzte Roman “Vor dem Gericht” liegt im Manuskript vor, schon jahrelang zum Druck vorbereitet. Er gehört zu den Büchern, die nach der Lektüre den Eindruck einer total erfaßten Welt hinterlassen, so daß man kein einziges Wort hinzuzufügen braucht. Alle seine Bücher schildern das Grauer heimlicher Mißverständnisse und unverschuldeter Schuld zwischen den Menschen. Er war ein Mensch und Künstler von so feinem Gewissen, daß er auch dort etwas spürte, wo sich andere, die nicht so empfindlich waren, ungefährdet fühlten.

* Edição consultada: JESENSKÁ, Milena. Alles ist Leben. Feuilletons und Reportagen 1919-1939. Tradução: Reinhard Fischer. Frankfurt: Neue Kritik KG, 1999, 105-106.

Bertold Brecht “corrige” os mitos: Prometeu, Édipo e Odisseu e as sereias

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Prometeu

considere um PROMETEU, os deuses são ignorantes e malignos, espertos na extorsão de sacrifícios, vivendo da gordura da terra. prometeu inventa o fogo e criminosamente o entrega aos deuses. eles o pegam e o amarram para que ele não possa entregar seu fogo aos humanos, ele fica sem saber nada sobre este fogo durante muito tempo, até que vê conflagrações vermelhas no horizonte: os deuses o usaram para incendiar e pilhar os humanos, os deuses apenas como coro intermitente.

Édipo

Naturalmente, eu sei que não convém ao trágico dar uma piscada para o espectador. Mas quando eu vi ou li o Édipo, eu sempre desejei que esta piscada tivesse acontecido. Pois não me entra na cabeça que Édipo não tenha nenhuma ideia do alcance de suas ações, de sua perversidade profunda. A tragédia se tornaria assim apenas mais trágica. Pois os verdadeiros golpes não chegam subitamente, como algo que nunca se imaginaria, mas como algo que já se previa. Sempre foi dito: eu não preciso temer isso ou aquilo, isso não pode acontecer, seria desumano demais. Daí isso acontece e tudo o que é humano acontece em sua máxima amplitude, na amplitude gigantesca do seu pavor. Se Édipo encontra verdadeiramente sem consciência a terrível notícia, então o seu desespero, pelo menos de acordo com as concepções de hoje, não é de todo fundamentado. Pois todos nós conhecemos o valor duvidoso do desespero que expressa qualquer devedor ou contratante inadimplente quando fala de motivos de força maior.

Odisseu e a sereias

Como se sabe, o astucioso Odisseu deixou-se amarrar no mastro do seu veículo quando se aproximava da ilha das sereias, mas entupiu os ouvidos dos remadores com cera, de forma que através da cera deles e de suas cordas, sua apreciação da arte permanecesse sem consequências ruins. À distância audível, rodeando a ilha, os servos surdos viram as sedutoras mulheres inflando suas gargantas e nosso herói se contorcendo no mastro, enquanto se esforçava para se soltar. Tudo passou aparentemente de acordo com o combinado e o previsto. Toda a Antiguidade acreditou no sucesso do ardil do astucioso. Serei eu o primeiro a levantar objeções? Então, eu direi assim: tudo bem, mas quem – além de Odisseu – diz que as sereias realmente cantaram diante do homem amarrado? Estas poderosas e habilidosas mulheres iriam realmente gastar sua arte com pessoas que não desfrutavam de nenhuma liberdade de movimento? É esta a essência da arte? Pois ao invés disso, eu preferiria supor que as gargantas infladas notadas pelos remadores xingavam com toda a força o provinciano maldito e cuidadoso, e que nosso herói realizou enfim suas contorções (como testemunhadas) porque estava morrendo de vergonha.

* O fragmento sobre Prometeu está no Diário de trabalho e data de Outubro de 1945 como reflexão-reação ao lançamento das bombas nucleares americanas sobre Hiroshima e Nagazaki. Já as variações sobre as histórias de Ulisses e as sereias e do Édipo foram escritas em 1933 e são parte de uma série de três partes chamada “Correções de mitos antigos” (Berichtigungen alter Mythen), que inclui também uma revisão da história de Candaules e Giges. Em nota à “correção” do mito de Ulisses e das sereias, Brecht faz referência à versão de Franz Kafka do mesmo mito, chamada O Silêncio das Sereias: “Para esta história encontra-se também uma correção escrita por Franz Kafka, ela realmente não parece mais crível nos novos tempos”.

Tradução: Tomaz Amorim Izabel

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Prometheus

erwäge einen PROMETHEUS, die götter sind unwissend und bösartig, schlau im erpressen von opfern, lebend von den fetten des lands. prometheus erfindet das feuer und übergibt es verbrecherischerweise den göttern. sie fangen und fesseln ihn, damit er nicht den menschen sein feuer ausliefern kann, von diesem feuer erfährt er lange nichts, dann sieht er rote feuersbrünste am horizont: die götter haben es benutzt, die menschen zu brandschatzen, die götter nur als chor auftretend.

Ödipus

Ich weiß natürlich, daß es dem Tragiker nicht ziemt, dem Zuschauer zuzublinzeln. Aber wenn ich Ödipus sah oder las, habe ich immer gewünscht, solches Blinzeln hätte sich geziemt. Denn es will mir nicht in den Kopf, daß Ödipus von der Tragweite seiner Taten, ihrer gründlichen Verruchtheit nicht doch eine Ahnung hat. Die Tragödie würde dadurch nur um so tragischer. Denn nicht das sind die eigentlichen Nackenschläge, wenn plötzlich eintrifft, was man nie geglaubt hätte, sondern wenn eintrifft, was man vorhergesehen hat. Man hat immer gesagt: dies oder das brauche ich nicht zu befürchten, das kann nicht eintreten, es wäre zu unmenschlich. Dann tritt es ein und all das, was menschlich ist, tritt in seinem ganzen Umfang auf, dem riesigen Umfang seines Schreckens. Trifft den tatsächlich unwissenden Ödipus die entsetzliche Kunde, dann ist seine Verzweiflung, jedenfalls nach heutigen Begriffen, nicht ganz so begründet. Kennen wir doch alle den zweifelhaften Wert der Verzweiflung, die jene Schuldner oder säumigen Vertragspartner äußern, wenn sie von der Vis major sprechen!

Odysseus

Bekanntlich ließ der listige Odysseus sich, als er sich der Insel der Sirenen näherte, an den Mast seines Fahrzeuges binden, aber den Ruderern verstopfte er mit Wachs die Ohren. so daß sein Kunstgenuß durch ihr Wachs und seine Stricke ohne schlimme Folgen bleiben mußte. In Hörweite, wie es ausgemacht war, an der Insel vorbeirudernd, sahen die tauben Knechte die verführerischen Weiber ihre Hälse blähen und unsern Helden sich am Mastbaum winden, als strebte er, davon loszukommen. Es verlief scheinbar alles nach Verabredung und Voraussage. Das ganze Altertum glaubte dem Schlauling das Gelingen seiner List. Sollte ich der erste sein, dem Bedenken aufsteigen? Ich sage mir nämlich so: alles gut, aber wer – außer Odysseus – sagt, daß die Sirenen wirklich sangen, angesichts des angebundenen Mannes? Sollten diese machtvollen und gewandten Weiber ihre Kunst wirklich an Leute verschwendet haben, die keine Bewegungsfreiheit besaßen? Ist das das Wesen der Kunst? Da möchte ich doch eher annehmen, die von den Ruderern wahrgenommenen geblähten Hälse schimpften aus voller Kraft auf den verdammten vorsichtigen Provinzler, und unser Held vollführte seine (ebenfalls bezeugten) Windungen, weil er sich doch noch zu guter Letzt genierte!

Dois poemas sobre a Rússia, de Lou Andreas-Salomé

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Velha Rússia

Descansas, parece, em materno leito,
Seu desespero a ser compreendido,
Tão infantis parecem os seus feitos,
noutros tão floridos.

Vês coloridas ainda as moradas,
quando brincavas, mesmo na miséria:
rubro, azul, verde e branco, hera dourada
suas cores eram.

Ainda assim, quem te olhar com astúcia
se maravilha pelo despudor:
Uma criança construiu a Rússia
aos pés do Senhor.


Volga

Mesmo longe: ainda assim eu Te vejo
Mesmo longe: permaneces comigo
Como um presente que não é cortejo
Como paisagem em torno do umbigo.

Nunca tivesse estado em suas beiras
conheceria sua imensidão,
desembarcada em oníricas cheias
na sua descomunal solidão.

 

Tradução: Tomaz Amorim Izabel

 

Altrußland

Du scheinst in Mutterhut zu ruhn,
Dein Elend kaum noch zu begreifen,
So kindhaft scheint noch all Dein Tun,
Wo andre reifen.

Wie stehn Dir noch die Häuser bunt,
Als spieltest Du sogar im Darben:
Rot, grün, blau, weiß auf goldnem Grund
Sind Deine Farben.

Und doch: wer lang darauf geschaut,
Enthält ehrfürchtig sich des Spottes:
Ein Kind hat Rußland hingebaut
Zu Füßen Gottes.

 

Wolga

Bist Du auch fern: ich schaue Dich doch an,
Bist Du auch fern: mir bleibst Du doch gegeben –
Wie eine Gegenwart, die nicht verblassen kann.
Wie meine Landschaft liegst Du um mein Leben.

Hätt ich an Deinen Ufern nie geruht:
Mir ist, als wüßt ich doch um Deine Weiten,
Als landete mich jede Traumesflut
An Deinen ungeheuren Einsamkeiten.

Sonho com a espada de cavaleiro *
Tradução: Tomaz Amorim Izabel

Eu tinha combinado uma excursão com dois amigos para o domingo, mas de forma completamente inesperada dormi demais e perdi a hora do encontro. Meus amigos, que conheciam até então minha pontualidade, se surpreenderam com o atraso e foram até a casa em que eu morava, ficaram esperando por lá ainda uma hora, subiram então as escadas e bateram na minha porta. Eu me assustei muito, pulei da cama e não prestei atenção em outra coisa que não fosse me aprontar o mais rápido possível. Quando eu então saí da porta completamente vestido, meus amigos recuaram de mim visivelmente assustados. “O que você tem atrás da cabeça?”, eles gritaram. Desde o despertar eu já sentia algo que me impedia de deitar a cabeça e tateei neste momento com a mão procurando pelo obstáculo. Imediatamente gritaram os amigos, que já tinham se acalmado um pouco: “Toma cuidado, não vai se machucar”, enquanto eu apanhava por de trás de minha cabeça uma espada. Os amigos se aproximaram, me examinaram, me levaram ao quarto diante do espelho da cômoda e me despiram da cintura para cima. Uma grande e antiga espada de cavaleiro com punho em forma de cruz estava presa nas minhas costas até o cabo, mas de forma que a lâmina foi enfiada de forma incrivelmente precisa entre a pele e a carne e não infligiu nenhum ferimento. No lugar da intrusão no pescoço também não havia ferida e os meus amigos garantiam que o buraco que se abriu pela lâmina estava completamente sem sangue e seco. E enquanto agora os amigos subiam no braço da cadeira e devagar, milimetricamente, puxavam a espada, não saiu nenhum sangue e o lugar aberto no pescoço se fechou até um buraco que mal dava para notar. “Aqui está sua espada”, disseram os amigos rindo e a entregaram para mim. Eu a pesei em minhas mãos, era uma arma fina, cruzados poderiam tê-la usado. Quem aguenta isso, que antigos cavaleiros percorram os sonhos, brandindo irresponsavelmente suas espadas, perfurando adormecidos inocentes e só não causando feridas profundas porque suas armas provavelmente desviam de corpos vivos e também porque amigos fiéis estão atrás da porta e batem prontos para ajudar.

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Traum vom Ritterschwert
Franz Kafka

Ich hatte mit zwei Freunden einen Ausflug für den Sonntag vereinbart, verschlief aber gänzlich unerwarteter Weise die Stunde der Zusammenkunft. Meine Freunde, die meine sonstige Pünktlichkeit kannten, staunten darüber, giengen zu dem Haus in dem ich wohnte, standen auch dort noch eine Zeitlang, giengen dann die Treppe hinauf und klopften an meiner Tür. Ich erschrak sehr, sprang aus dem Bett und achtete auf nichts anderes, als darauf mich möglichst rasch bereitzumachen. Als ich dann vollständig angezogen aus der Türe trat, wichen meine Freunde offenbar erschrocken vor mir zurück. “Was hast Du hinter dem Kopf” riefen sie. Ich hatte schon seit dem Erwachen irgendetwas gefühlt, das mich hinderte den Kopf zurückzuneigen und tastete nun mit der Hand nach diesem Hindernis. Gerade riefen die Freunde, die sich schon ein wenig gesammelt hatten “Sei vorsichtig, verletze Dich nicht” als ich hinter meinem Kopf den Griff eines Schwertes erfaßte. Die Freunde kamen näher, untersuchten mich, führten mich ins Zimmer vor den Schrankspiegel und entkleideten meinen Oberkörper. Ein großes altes Ritterschwert mit kreuzartigem Griff steckte in meinem Rücken bis zum Heft, aber in der Weise, daß sich die Klinge unbegreiflich genau zwischen Haut und Fleisch geschoben und keine Verletzung herbeigeführt hatte. Aber auch an der Stelle des Einstoßes am Halse war keine Wunde, die Freunde versicherten, daß sich dort völlig blutleer und trocken der für die Klinge notwendige Spalt geöffnet habe. Und als jetzt die Freunde auf Sessel stiegen und langsam millimeterweise das Schwert hervorzogen, kam kein Blut nach und die offene Stelle am Halse schloß sich bis auf einen kaum merklichen Spalt. “Hier hast Du Dein Schwert” sagten die Freunde lachend und reichten es mir. Ich wog es in beiden Händen, es war eine kostbare Waffe, Kreuzfahrer konnten sie wohl benützt haben. Wer duldete es, daß sich alte Ritter in den Träumen herumtrieben, verantwortungslos mit ihren Schwertern fuchtelten, unschuldigen Schläfern sie einbohrten und nur deshalb nicht schwere Wunden beibrachten, weil ihre Waffen zunächst wahrscheinlich an lebenden Körpern abgleiten und weil auch treue Freunde hinter der Tür stehn und hilfsbereit klopfen.

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* Este texto se encontra no diário de Kafka sob a data de 19 de Janeiro de 1915. Ele não tem título e não foi de forma alguma separado como “Obra” para publicação. Seu fechamento indica que Kafka não planejou uma sequência e que tomou o texto como “pronto”. A segunda frase, “Meus amigos, que conheciam até então minha pontualidade”, deve ser lida como brincadeira irônica. Porque Kafka era notoriamente não pontual e precisava se desculpar frequentemente com seus amigos de Praga, com os quais muitas vezes marcava encontros dominicais.

Fonte: Franz Kafka, Tagebücher, Band 3: 1914–1923, Fischer Taschenbuch Verlag (Bd. 12451), Frankfurt am Main 1994, Seite 71–72.

O ideal e a vida, de Friedrich Schiller

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O ideal e a vida
Tradução: Tomaz Amorim Izabel

Clareterna e especular e fina,
flui leve, no Olimpo, a vida zefirina,
para seus bem-aventurados.
As luas mudam, as gerações se sucedem,
e os rosais da divina juventude florescem
entre eternas ruínas intocados.
Entre a alegria sensível e a paz de espírito,
só resta a escolha à humanidade desolada,
mas na fronte do alto Urânido
brilham elas num raio casadas.

Na Terra, para terem dos deuses a sorte
e serem livres no reino da morte,
do seu jardim não despedacem a fruta!
O olhar se satisfaz com as aparências,
mas do gozo das alegrias em ambivalência
se vinga veloz a almejada fruta.
O próprio Estige, que nove vezes a rodeia,
não luta contra a volta da filha de Ceres.
Depois de apanhada a maçã, ele a cerceia
eternamente sob de Orco os poderes.

Apenas os corpos é que pertencem
aos poderes que sombrio destino tecem.
Livre da violência do tempo que deforma,
a parceira das naturezas bem-aventuradas
sobe pairando rumo às portas iluminadas,
divina entre os deuses: a Forma.
Se querem voar alto em suas asas,
joguem fora o medo do terreno!
Fujam da vida enfadonha e rasa
para do Ideal o Reino!

Em toda a Terra livre, juventude,
é nos raios da completude
que paira dos homens a imagem divina.
As silenciosas fantasmagorias da vida,
brilhantes, na corrente do Estige diluídas,
mesmo Ela, que se ergue na celeste campina,
depois, rumo aos sarcófagos tristes,
ainda que Imortal, também desce.
Se na vida o carro da luta ainda resiste,
sacolejante, aqui a vitória aparece.

Não para lutadores apaziguar,
nem para exaustos descansar,
sopra perfumada a grinalda das glórias.
Poderosos, ao descansar suas veias,
a vida vos arrasta em suas cheias,
a vós, o tempo, em suas rotatórias.
Mas descem as audazes asas da braveza
pelo sentimento vergonhoso dos percalços,
e então vislumbra da colina da beleza
com alegria o avoado alvo.

Se se trata de proteger e dominar,
lutador contra lutador a trovejar
nos trilhos da sorte e da fama,
lá pode a bravura se bater com a força
e com ruidosos urros as carroças
se confundem nas planícies de lama.
Aqui só a bravura alcança aquilo
que na meta do Hipódromo flameja.
Só o forte submeterá o destino,
onde o franzino apenas fraqueja.

Mas ele, preso entre as margens,
que se derrama espumoso e selvagem,
flui, o Rio da Vida, calmo e austero,
pelas silenciosas e sombrias terras da beleza,
e em suas ondas de prateadas correntezas
pintam-se Aurora e Héspero.
Dissolvido em suave amor mútuo,
na graça da livre relação unido,
descansa aqui reconciliado o impulso,
e desaparecido é o inimigo.

Se para o morto com forma reanimar,
se para com o material matrimoniar,
o gênio se incendeia sedento,
então lá se contrai o nervo do obreiro
e subjuga, perseverante e guerreiro,
o pensamento de si o elemento.
Só ao sério, que esforço algum empalidece,
sussurra a fonte da verdade que escondida corre.
Só com o golpe duro do cinzel se amolece
a semente quebradiça do mármore.

Mas adentrai da beleza a esfera,
e para trás resta o pesado na poeira
com o material que ela mesma domina.
Não é massa com dor arrancada,
fraca e leve, como originada do nada,
a visão diante da arrebatadora retina.
Silenciam todas as batalhas e temores
na vitória da maior certeza:
desaparecem agora os espectadores
da humana pobreza.

Se vocês, na triste nudez da humanidade,
estão diante da lei em sua grandiosidade,
se a culpa se aproxima do sagrado,
diante dos raios da verdade empalideça
sua virtude, diante do ideal desapareça
o vergonhoso ato apavorado.
Nenhum criador que o objetivo confronte:
sobre este abismo moribundo
não passa barca, nem arco de ponte,
nem âncora alguma encontra o fundo.

Mas fujam da limitação do sentimento
para a libertação do pensamento,
e fugirá a assombração
e se preencherá o eterno abismo.
Acolham nas suas vontades o divino
e dos tronos mundanos vocês se erguerão.
A grade firme da lei aprisiona
apenas o sentido escravo que a degrade.
Desaparece com a resistência humana
também a divina majestade.

Se a dor humana se torna corrente,
se Laocoonte se defende das serpentes
com tão inominável dor,
então enfurece-se o humano! E avança
contra a curvatura dos céus com suas demandas
e destroça seu coração amador!
Que triunfe a voz terrível da natureza
e que preencha a face da alegria a palidez,
e que a piedade sagrada desapareça
com o imortal dentro de vocês!

Mas nas regiões jubilosas,
onde habitam as puras formas,
já não ressoam as tempestades turvas da carência.
Aqui não pode a dor dilacerar a alma,
lágrima alguma flui aqui contra a calma,
apenas do espírito a bravia resistência.
Amável, como da íris a furta-cor
sobre o fragor do orvalho trovejante,
brilha através dos tristes véus do langor,
pacífico, aqui, o azul fulgurante.

Rebaixado a servo do covarde,
Alcides, em interminável combate,
o caminho pesado da vida percorre:
abraça o Leão, bate-se com a Hidra de Lerna,
lança-se vivo, e os companheiros liberta,
na canoa do barqueiro da morte.
Todas as aflições, tudo que há de pesado,
lançou a astúcia da irreconciliável Deusa
sobre os ombros dispostos do odiado –
até que findada sua caminhada esteja.

Até que o Deus, despido do terreno,
separa-se em chamas dos humanos
e dos leves ares do éter se inunda.
Alegre e desacostumado com o novo flutuar,
ele flui para cima, e da vida sublunar
o pesado sonho afunda e afunda e afunda.
Recebido no Olimpo em harmoniosa chegada
é o transfigurado no salão dos Cronidas,
até que a Deusa de faces rosadas
entrega-lhe a taça de boas-vindas.
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Das Ideal und das Leben
Friedrich Schiller

Ewigklar und spiegelrein und eben
Fließt das zephyrleichte Leben
Im Olymp den Seligen dahin.
Monde wechseln, und Geschlechter fliehen;
Ihrer Götterjugend Rosen blühen
Wandellos im ewigen Ruin.
Zwischen Sinnenglück und Seelenfrieden
Bleibt dem Menschen nur die bange Wahl;
Auf der Stirn des hohen Uraniden
Leuchtet ihr vermählter Strahl.

Wollt ihr schon auf Erden Göttern gleichen,
Frei sein in des Todes Reichen,
Brechet nicht von seines Gartens Frucht!
An dem Scheine mag der Blick sich weiden;
Des Genusses wandelbare Freuden
Rächet schleunig der Begierde Frucht.
Selbst der Styx, der neunfach sie umwindet,
Wehrt die Rückkehr Ceres’ Tochter nicht;
Nach dem Apfel greift sie, und es bindet
Ewig sie des Orkus Pflicht.

Nur der Körper eignet jenen Mächten,
Die das dunkle Schicksal flechten;
Aber frei von jeder Zeitgewalt,
Die Gespielin seliger Naturen,
Wandelt oben in des Lichtes Fluren
Göttlich unter Göttern die Gestalt.
Wollt ihr hoch auf ihren Flügeln schweben,
Werft die Angst des Irdischen von euch!
Fliehet aus dem engen, dumpfen Leben
In des Idealen Reich!

Jugendlich, von allen Erdenmalen
Frei, in der Vollendung Strahlen
Schwebet hier der Menschen Götterbild,
Wie des Lebens schweigende Phantome
Glänzend wandeln an dem styg’schen Strome,
Wie sie stand im himmlischen Gefild,
Ehe noch zum traur’gen Sarkophage
Die Unsterbliche herunter stieg.
Wenn im Leben noch des Kampfes Wage
Schwankt, erscheinet hier der Sieg.

Nicht vom Kampf die Glieder zu entstricken,
Den Erschöpften zu erquicken,
Wehet hier des Sieges duft’ger Kranz.
Mächtig, selbst wenn eure Sehnen ruhten,
Reißt das Leben euch in seine Fluthen,
Euch die Zeit in ihren Wirbeltanz.
Aber sinkt des Muthes kühner Flügel
Bei der Schranken peinlichem Gefühl,
Dann erblicket von der Schönheit Hügel
Freudig das erflogne Ziel.

Wenn es gilt, zu herrschen und zu schirmen,
Kämpfer gegen Kämpfer stürmen
Auf des Glückes, auf des Ruhmes Bahn,
Da mag Kühnheit sich an Kraft zerschlagen
Und mit krachendem Getös die Wagen
Sich vermengen auf bestäubtem Plan.
Muth allein kann hier den Dank erringen,
Der am Ziel des Hippodromes winkt.
Nur der Starke wird das Schicksal zwingen,
Wenn der Schwächling untersinkt.

Aber der, von Klippen eingeschlossen,
Wild und schäumend sich ergossen,
Sanft und eben rinnt des Lebens Fluß
Durch der Schönheit stille Schattenlande,
Und auf seiner Wellen Silberrande
Malt Aurora sich und Hesperus.
Aufgelöst in zarter Wechselliebe,
In der Anmuth freiem Bund vereint,
Ruhen hier die ausgesöhnten Triebe,
Und verschwunden ist der Feind.

Wenn, das Todte bildend zu beseelen,
Mit dem Stoff sich zu vermählen,
Thatenvoll der Genius entbrennt,
Da, da spanne sich des Fleißes Nerve,
Und beharrlich ringend unterwerfe
Der Gedanke sich das Element.
Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet,
Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born;
Nur des Meißels schwerem Schlag erweichet
Sich des Marmors sprödes Korn.

Aber dringt bis in der Schönheit Sphäre,
Und im Staube bleibt die Schwere
Mit dem Stoff, den sie beherrscht, zurück.
Nicht der Masse qualvoll abgerungen,
Schlank und leicht, wie aus dem Nichts gesprungen,
Steht das Bild vor dem entzückten Blick.
Alle Zweifel, alle Kämpfe schweigen
In des Sieges hoher Sicherheit;
Ausgestoßen hat es jeden Zeugen
Menschlicher Bedürftigkeit.

Wenn ihr in der Menschheit traur’ger Blöße
Steht vor des Gesetzes Größe,
Wenn dem Heiligen die Schuld sich naht,
Da erblasse vor der Wahrheit Strahle
Eure Tugend, vor dem Ideale
Fliehe muthlos die beschämte That.
Kein Erschaffner hat dies Ziel erflogen;
Über diesen grauenvollen Schlund
Trägt kein Nachen, keiner Brücke Bogen,
Und kein Anker findet Grund.

Aber flüchtet aus der Sinne Schranken
In die Freiheit der Gedanken,
Und die Furchterscheinung ist entflohn,
Und der ew’ge Abgrund wird sich füllen;
Nehmt die Gottheit auf in euren Willen,
Und sie steigt von ihrem Weltenthron.
Des Gesetzes strenge Fessel bindet
Nur den Sklavensinn, des es verschmäht;
Mit des Menschen Widerstand verschwindet
Auch des Gottes Majestät.

Wenn der Menschheit Leiden euch umfangen,
Wenn Laokoon der Schlangen
Sich erwehrt mit namenlosem Schmerz,
Da empöre sich der Mensch! Es schlage
An des Himmels Wölbung seine Klage
Und zerreiße euer fühlend Herz!
Der Natur furchtbare Stimme siege,
Und der Freude Wange werde bleich,
Und der heil’gen Sympathie erliege
Das Unsterbliche in euch!

Aber in den heitern Regionen,
Wo die reinen Formen wohnen,
Rauscht des Jammers trüber Sturm nicht mehr.
Hier darf Schmerz die Seele nicht durchschneiden,
Keine Thräne fließt hier mehr den Leiden,
Nur des Geistes tapfrer Gegenwehr.
Lieblich, wie der Iris Farbenfeuer
Auf der Donnerwolke duft’gem Thau,
Schimmert durch der Wehmuth düstern Schleier
Hier der Ruhe heitres Blau.

Tief erniedrigt zu des Feigen Knechte,
Ging in ewigem Gefechte
Einst Alcid des Lebens schwere Bahn,
Rang mit Hydern und umarmt’ den Leuen,
Stürzte sich, die Freunde zu befreien,
Lebend in des Todtenschiffes Kahn.
Alle Plagen, alle Erdenlasten
Wälzt der unversöhnten Göttin List
Auf die will’gen Schultern des Verhaßten –
Bis sein Lauf geendigt ist –

Bis der Gott, des Irdischen entkleidet,
Flammend sich vom Menschen scheidet
Und des Äthers leichte Lüfte trinkt.
Froh des neuen ungewohnten Schwebens,
Fließt er aufwärts, und des Erdenlebens
Schweres Traumbild sinkt und sinkt und sinkt.
Des Olympus Harmonien empfangen
Den Verklärten in Kronions Saal,
Und die Göttin mit den Rosenwangen
Reicht ihm lächelnd den Pokal.